Banken bremsen die Wirtschaft aus

Was kommt, weiß keiner. Indikatoren für eine aufziehende Wirtschaftskrise sind Anträge auf Kurzarbeit von Firmen, Auftragseinbrüche. Andererseits gibt es Unternehmen, die weiterhin gute Geschäfte machen. …

Matthias Lührmann (li.) und Herbert Laschke sind Opfer der Kreditzurückhaltung.
(Foto: Franz Luthe)

… Andere, die ebenfalls vorankommen möchten, werden ausgebremst. Der Grund: Die Banken halten sich mit Kreditvergaben zurück. Michael Stepien, Geschäftsführer der Süßwarenfabrik van Netten, trügt sein Gefühl nicht. „In schlechten Zeiten gönnen sich die Leute gern was Süßes“, meint er. Das Unternehmen profitiert davon. Die Nachfrage ist da, bei van Netten möchte man die Produktion um eine Maschine erweitern, es geht um eine Investition von 700 000 Euro.

Einen Kredit dafür zu bekommen (Laufzeit ein Jahr) sei eigentlich kein Ding für ein Unternehmen, das 60-70 Mio. Euro Umsatz im Jahr macht – nahm er zumindest an. Ein sicheres Geschäft für die Bank: „Wir haben ihnen die Aufträge der Kunden präsentiert – es reichte nicht aus.“ Eine Aussage sei gewesen: „Wir schließen für dieses Jahr die Bücher.“

Eigenkapital ist genügend vorhanden, nützen tut es nichts

Für Stepien sind das Umsätze, die man bequem hätte mitnehmen könnte – und die van Netten jetzt liegenlassen muss. „Und das“, sagt er, „ist extrem ärgerlich.“

Das kann Herbert Laschke bestens verstehen. Der 51-jährige Kaufmann hatte sich im Sommer entschlossen, nach Jahren in der Funktion als leitender Angestellter mit einem Partner den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. Geplant war, drei Firmen für Werbeartikel mit insgesamt 20 Mitarbeitern zu übernehmen. „Alles Betriebe, die bereits 20, 30 Jahre am Markt sind, und die schwarze Zahlen schreiben“, sagt er.

Gemeinsam mit Matthias Lührmann von Beckmann Unternehmensentwicklung erarbeitete Laschke ein Konzept. Sie trugen erforderlichen Daten zusammen, Eigenkapital war genügend da. „Das Konzept erfüllte exakt die Bedingungen, unter denen man vor einem dreiviertel Jahr noch eine Kreditzusage bekommen hätte“, so Unternehmensberater Lührmann.

Genützt hat es nichts. Selbst die Hausbank eines der Unternehmen verweigerte den Zuschlag, obwohl es von keiner Seite irgendeine Kritik am Konzept gegeben hätte. Das Einzige was es gab, war – kein Geld.

Die Folge davon: Zwei der drei geplanten Übernahmen hätten sich bereits erledigt. In einem Fall könnte es noch klappen, hofft Laschke. Er hätte die Firmen im Rahmen einer Nachfolgeregelung übernommen, weil sich die Eigentümer aus Altersgründen zurückziehen wollen. Derzeit sehe es so aus, dass sie ihr Unternehmen schlicht schließen würden – mit den entsprechenden Nachteilen für die Mitarbeiter.

Laschke – der Unternehmer ohne Unternehmen – zeigt sich noch bedingt optimistisch. Vielleicht gibt es, wenn es mit dem einen Betrieb klappt, noch eine Chance im nächsten Jahr. Und die Konzernmutter von van Netten, Arques, plant sogar Firmenzukäufe aus dem süßen Sektor, um das Brackeler Firmengelände besser ausnutzen zu können. Aber so etwas wird im Allgemeinen auch über Kredite finanziert.

Von Dirk Berger veröffentlicht auf : http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/banken-bremsen-die-wirtschaft-aus-id1097351.html

 

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